Die Herstellung von Akadama –
Das Herzstück vieler Bonsai-Substrate

Ein Blick auf die Entstehung eines der wichtigsten Bonsai-Substrate Japans

Wer sich intensiver mit Bonsai beschäftigt, stößt früher oder später auf den Namen Akadama. Kaum ein anderes Substrat wird weltweit so häufig für die Kultivierung von Bonsai verwendet. Seine Fähigkeit, Wasser zu speichern und gleichzeitig eine hervorragende Belüftung der Wurzeln zu gewährleisten, macht es seit Jahrzehnten zum Standard in vielen Bonsai-Gärtnereien.

Doch woher stammt Akadama eigentlich? Wie wird es gewonnen? Und warum genießt besonders japanisches Akadama einen so guten Ruf?


Der Ursprung – Vulkanische Erde aus Japan

Das japanische Wort Akadama (赤玉土) bedeutet übersetzt „rote Kugelerde“. Es handelt sich um eine natürliche, mineralische Tonerde vulkanischen Ursprungs, die ausschließlich in Japan vorkommt. Sie entstand aus vulkanischer Asche, die sich nach zahlreichen Vulkanausbrüchen über viele Jahrtausende ablagerte.

Wind, Regen, Frost und andere Witterungseinflüsse verwitterten diese Ascheschichten langsam. Gleichzeitig wurden sie durch darüberliegende Erdschichten verdichtet. So entstand ein poröses, aber dennoch stabiles Material mit hervorragenden Eigenschaften für das Pflanzenwachstum.

Die bedeutendsten Lagerstätten befinden sich in den Präfekturen Ibaraki, Tochigi, Gunma und Saitama auf der Hauptinsel Honshū. Besonders die Region Ibaraki ist für ihre hochwertigen Vorkommen bekannt.


Ein Naturprodukt mit langer Geschichte

Schon lange bevor Bonsai in Europa bekannt wurde, nutzten japanische Gärtner Akadama für die Kultur verschiedenster Pflanzen. Im professionellen Bonsai-Anbau gewann es insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend an Bedeutung. Mit der Verbreitung der Bonsai-Kunst außerhalb Japans wurde auch Akadama international bekannt.

Heute gehört es weltweit zu den wichtigsten Bestandteilen hochwertiger Bonsai-Substrate und wird häufig mit Lavagranulat, Bims oder Kiryu kombiniert.


Der Abbau

Akadama wird im Tagebau gewonnen. Dabei wird zunächst die oberste Humusschicht entfernt, bevor die eigentlichen Akadama-Schichten freigelegt werden.

Die einzelnen Schichten unterscheiden sich deutlich in ihrer Qualität. Oberflächennahe Bereiche sind meist stärker verwittert und liefern eher weicheres Material. Tiefer liegende Schichten sind durch den natürlichen Druck der darüberliegenden Erdmassen deutlich kompakter und liefern die besonders begehrten harten Qualitäten.

Der Abbau erfolgt schichtweise und mit großer Sorgfalt, damit die verschiedenen Qualitäten nicht vermischt werden.

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Trocknung statt Brennen

Nach dem Abbau enthält das Material noch viel Feuchtigkeit. Deshalb wird es zunächst mehrere Wochen oder sogar Monate an der Luft getrocknet. Oft geschieht dies in großen Lagerhallen oder unter überdachten Flächen, damit Regen die Qualität nicht beeinträchtigt.

Viele Bonsai-Freunde glauben, hartes Akadama werde gebrannt. Tatsächlich trifft dies für klassisches japanisches Akadama nicht zu.

Die hohe Festigkeit entsteht überwiegend durch die natürliche Verdichtung während der geologischen Entstehung. Nach dem Abbau wird das Material lediglich getrocknet, zerkleinert und sortiert.


Vom Erdblock zum Bonsai-Substrat

Nach der Trocknung werden die größeren Erdstücke vorsichtig gebrochen. Ziel ist es, möglichst viele natürliche Körner zu erhalten und den Staubanteil gering zu halten.

Anschließend erfolgt die Siebung in verschiedene Korngrößen.

Typische Körnungen sind:

  • 1–3 mm – für Shohin-Bonsai, Sämlinge und Stecklinge
  • 2–5 mm – universelle Standardgröße
  • 5–8 mm – für mittelgroße und große Bonsai
  • gröbere Körnungen – für spezielle Anwendungen oder sehr große Bäume

Feinanteile und Staub werden ausgesiebt, da sie die Luftzirkulation im Substrat beeinträchtigen würden.

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Warum gibt es weiches und hartes Akadama?

Nicht jedes Akadama besitzt die gleiche Haltbarkeit.

Weiches Akadama

  • stammt meist aus oberflächennahen Schichten
  • verwittert schneller
  • eignet sich besonders für Arten mit häufigem Umtopfen

Hartes Akadama

  • stammt aus tieferen Lagerstätten
  • besitzt eine dichtere Mineralstruktur
  • bleibt über mehrere Jahre stabil
  • eignet sich besonders für ältere Bonsai oder längere Standzeiten

Die Unterschiede beruhen vor allem auf der natürlichen Entstehungsgeschichte des Materials und nicht auf einer späteren technischen Behandlung.


Warum zerfällt Akadama?

Auch hartes Akadama bleibt ein Naturprodukt.

Mit den Jahren wirken verschiedene Einflüsse auf die Körner ein:

  • häufiges Gießen
  • Frost
  • Wurzelwachstum
  • mechanische Belastung beim Umtopfen

Dadurch zerfallen die Körner langsam in feinere Bestandteile. Dieser Prozess ist vollkommen natürlich und einer der Gründe, weshalb Bonsai regelmäßig umgetopft werden sollten.


Warum Akadama für Bonsai ideal ist

Die besondere Struktur der Körner sorgt dafür, dass Wasser und Luft gleichzeitig im Wurzelbereich vorhanden sind – eine Eigenschaft, die nur wenige Substrate in dieser Form bieten.

Zu den wichtigsten Vorteilen zählen:

  • sehr gute Wasseraufnahme
  • ausgezeichnete Drainage
  • hohe Luftdurchlässigkeit
  • stabile Körnerstruktur
  • leicht saurer pH-Wert
  • frei von organischen Bestandteilen
  • einfache Beurteilung des Feuchtigkeitszustandes durch den Farbwechsel der Körner

Gerade der Farbwechsel ist ein praktischer Vorteil: Frisches, feuchtes Akadama erscheint dunkler, während trockenes Material deutlich heller wird. So lässt sich oft schon auf den ersten Blick erkennen, wann ein Bonsai wieder gegossen werden sollte.


Wissenswertes

  • Akadama enthält nur geringe Mengen pflanzenverfügbarer Nährstoffe. Deshalb ist eine regelmäßige Düngung unerlässlich.
  • In Japan wird Akadama nicht nur für Bonsai verwendet, sondern auch für Azaleen, Ahorn, Kamelien und viele andere anspruchsvolle Pflanzen.
  • Je nach Hersteller können sich Farbe, Härte und Haltbarkeit deutlich unterscheiden.
  • Besonders hochwertige Qualitäten stammen häufig aus tieferen Lagerstätten und zeichnen sich durch eine gleichmäßige Körnung sowie einen geringen Staubanteil aus.

Fazit

Akadama ist weit mehr als nur eine Bonsai-Erde. Es ist ein über Jahrtausende entstandenes Naturprodukt, dessen außergewöhnliche Eigenschaften unmittelbar auf seinen vulkanischen Ursprung zurückzuführen sind. Vom sorgfältigen Abbau über die schonende Trocknung bis hin zur Sortierung nach Korngröße bleibt das Material nahezu unverändert – genau das macht seinen besonderen Charakter aus.

Auch wenn heute zahlreiche moderne Substrate erhältlich sind, gilt Akadama für viele Bonsai-Liebhaber nach wie vor als Maßstab. Seine ausgewogene Kombination aus Wasserspeicherung, Luftdurchlässigkeit und Strukturstabilität hat sich über Generationen bewährt und macht es bis heute zu einem der wichtigsten Bestandteile der Bonsai-Kultur.